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31 Jahre Kunst-Praxis
Die KUNST-PRAXIS mit dem MUSEUM SAMMLUNG SUSANNE LÜFTNER - OUTSIDER & MODERN ART wurde 1994 gegründet. Sie ist ein Ort für außergewöhnliche Kunst, Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation und Begegnungen. 2024 feierte die KUNST-PRAXIS ihr 30-jähriges Bestehen. In diesem Jahr gründeten Horst Braukmann und Susanne Lüftner die STIFTUNG KUNST-PRAXIS SOEST-LEIPZIG. Wir laden zur Feier dieser Entwicklung und zum 31. Geburtstag der KUNST-PRAXIS am Sonntag, den 5. Oktober, herzlich ein.
PROGRAMM
11 Uhr bis 12.45 Uhr
ATELIER IM GARTEN
Dr. phil. Wolf Kalipp [874 KB]
spricht über:
„Große Kulturethiker des 20. Jahrhunderts“
Rabindranath Tagore, Albert Schweitzer, Khalil Gibran und Antoine de Saint-Exupéry
ab 12.45 Uhr bis 16.00 Uhr
CAFÉ BRUT - Kunst, Kultur, Kulinarisches
Intermezzi: Wiederentdeckte Komponistinnen, mit Stiftungsgründer Horst Braukmann am Klavier. Offene Türen überall, auf Wunsch Führung durch das Haus mit Museum Sammlung Susanne Lüftner - Outsider & Modern Art.
Art in Progress - Ausstellung Leipzig
Feuer und Flamme | Schall und Rauch | Grund und Boden
Susanne Lüftner | Fundsachen, Objekte, Fotografien
Art in Progress:
Ausstellung vom 02.05. bis 30.09.2025 im Tapetenwerk Leipzig
Download Plakat [7.595 KB]
Kunst-Praxis-Jubiläum 5+30 !DAS BLEIBT
Bericht von Heyke Köppelmann
Soest „5 + 30“ – eine bewegte und eine in der Rückschau sehr bewegende Zeit für den regen Freundeskreis und die Förderer rund um die Kunst-Praxis, eine Soester Konstante, die ohne Susanne Lüftner nicht vorstellbar sei. Das betonte bei der Matinee zur Jubiläumsfeier Verena Bruchhagen, zuletzt Leiterin der Frauenstudien an der TU Dortmund. „Die Kunst-Praxis und Susanne Lüftner, das ist für mich eine verbindende Geschichte“, sagte sie. Sie denke an vielfältige Begegnungen von Menschen an einem Ort des künstlerischen Schaffens, der noch so viel mehr sei als dies, nämlich ein Soziotop, ein Hotspot lebendiger Kultur, der Kritik, des Austausches und der Aufklärung, zudem ein Container des Aufbewahrens und Haltens. „Die Kunst-Praxis und Susanne Lüftner haben viel gewirbelt“, so Verena Bruchhagen und beschreibt damit auch das beständige Bestreben, herkömmliche Muster mutig aufzubrechen, um Platz zu schaffen für neue Gedanken und neues Handeln.
Zahlreiche Weggefährten folgten am Sonntag, 13. Oktober 2024, der Einladung zum Fest. Sie kamen, um das intensive Wirken Susanne Lüftners zu würdigen, das sie fast ausschließlich ehrenamtlich leistete. Seit nunmehr 35 Jahren setzt sie als Bildende Künstlerin und seit 30 Jahren als Gründerin und Leiterin der Kunst-Praxis wichtige Akzente im Soester Kunst- und Kulturleben. Das wurde gefeiert, mit einer Matinee im Kino des Kulturhauses „Alter Schlachthof“, einem opulenten Abspann mit Foto-Impressionen von Arno Haude, einem Umzug mit Musik und dem beliebten Café Brut, das neben Kunst und Kultur auch Kulinarisches bot. Angela und Gero Troike spielten traditionellen Jazz. Schirmherr Elmar Schenkel, lange Professor für Englische Literatur an der Universität Leipzig, stellte seine begleitenden Worte unter das Thema „Immer wieder neu anfangen.“ Er stammt aus Lippetal und ist bekannt durch seine Forschungen zu Hugo Kükelhaus, universeller. Denker und Handwerker.
Die Kunst-Praxis ist bekannt dafür, ungewohnte Perspektiven einzunehmen und andere Wege als die herkömmlichen zu gehen. Nach der Matinee rückte eine fröhliche Geburtstagsgesellschaft mit einer „Laufenden Ausstellung“ ursprüngliche, unangepasste Dilettanten-Kunst in den Blick und holte diese im positiven Sinn eigenartigen Schöpfungen dorthin, wo sie ihrer Überzeugung nach hingehören, nämlich in die Mitte der Gesellschaft und nicht an den Rand, denn ihnen soll die Aufmerksamkeit und Anerkennung zukommen, die ihnen zusteht. Die Spaziergänger trugen auch Werke Elmar Schenkels mit überraschenden Soest-Motiven im expressionistisch-surrealen Stil.
Ihre Hoffnung sei, dass die Geschichte der Soester Kunst-Praxis mit der „Sammlung Susanne Lüftner – Outsider Art & Art Brut“ als herausragender Schatz im kulturellen Gedächtnis der Stadt Soest verankert bleibt und nicht „wie fast alles, was kreative Frauen hier entwickelt, vorgestellt und hinterlassen haben, marginalisiert und vergessen wird“, stellte Susanne Lüftner in ihrem Bilder- und Filmvortrag heraus, mit dem sie zu einer Reise durch 35 Jahre ambitionierten Schaffens – insbesondere auch des bürgerschaftlichen Engagements - einlud. Die Kunst-Praxis zählt sie als soziale Plastik zum Gesamtwerk.
Für die Zuhörer war es spannend und erstaunlich zugleich, noch einmal über zahlreiche Stationen hinweg nachzuvollziehen,was sich alles in der Zeit getan hat – und was eben nicht, was zwar wünschenswert gewesen wäre, aber trotz redlicher Anstrengungen und starker Argumente im Sande verlief.
„!Das bleibt“, stand in großen Buchstaben über dem Programm. Was bleibt, das sind auf jeden Fall viele beglückende und persönlich bereichernde Erfahrungen durch das Zusammentreffen mit Menschen, die ihre kreativen Ressourcen entdecken und dann erleben, welches Potential in ihnen steckt. Amateure und Profis, Menschen in jedem Alter, mit und ohne Handicap begegnen sich in der Kunst-Praxis auf Augenhöhe. Für dieses Soester Pionierprojekt als Raum der freien Kunst und Kultur – unabhängig von institutionellen Strukturen - habe es zuvor kein Vorbild gegebene, unterstreicht Susanne Lüftner. Denn: „In den Anfängen der Kunst-Praxis in den frühen neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, stieß öffentliches Eintreten für Psychiatrieerfahrene, insbesondere für diejenigen, die im Maßregelvollzug untergebracht waren, zumeist auf zurückhaltende Reaktionen. Auch heute noch fühlen sich viele ehemalige Psychiatrie-Patient*innen und ihre Angehörigen in Außenseiterpositionen, ins soziale Abseits gedrängt.“
Seit Abschluss ihres Studiums 1978 an der Kunstakademie in München arbeitet die gebürtige Soesterin in der künstlerischen Hochbegabtenförderung. „Immer waren auch Menschen dabei, nicht selten die talentiertesten, die mit körperliche oder psychische Einschränkungen lebten und gerade aufgrund ihrer künstlerischen Tätigkeit hohe Resilienz und Lebenskönnerschaft entwickelt hatten“, schildert sie. Gemeinsam mit dem Förderverein setzt sie praktisch um, was Raul Krautmann, Aktivist für die Rechte von Menschen mit Behinderung, so beschreibt: „Inklusion ist, wenn man das gar nicht merkt.“
Mit der Jubiläumsfeier beendete Susanne Lüfter ihre ständige Präsenz in Soest, das betrifft insbesondere die Förderung künstlerisch (hoch-)begabter Menschen im Laboratorium. Sie wolle sich häufiger in ihre Ateliers in Soest am Paradieser Weg und im Tapetenwerk Leipzig zurückziehen, um herauszufinden, ob ihr, nun im Alter, noch das ein oder andere Kunstwerk gelingt, teilt sie mit. Spricht Susanne Lüftner über Soest, ist spürbar, dass ihr diese Stadt in besonderer Weise am Herzen liegt. Und weil das so ist, spricht sie deutliche Worte, denn sie erinnert sich mit Wehmut an das einstige Soest, das seinem Namen als Kunst- und Kulturstadt alle Ehre gemacht habe. Soest habe Kreative, Künstler, Kulturliebhaber in den Bann gezogen, die sich hier auch herzlich aufgenommen fühlten. Als große Förderer nennt die 71-Jährige den früheren Stadtdirektor Dr. Gerhard Groot und Bürgermeister Walter Klemann. An diese bunte, pulsierende Szene ihrer Jugend- und Studienzeitzeit habe sie gedacht, als sie nach einigen Jahren der Abwesenheit in ihre Heimat zurückkehrt sei, jedoch habe sie mit Schrecken erkennen müssen, dass sich die Zeiten gründlich geändert haben. Sie habe rasch gemerkt: Kunst und Kultur haben in Soest an Bedeutung verloren. Doch aufgeben, kam für sie nicht infrage, wie auch in späteren Jahren nicht, wenn es – wann nicht selten vorkam - wieder einmal galt, in schwierigen Situationen standhaft zu bleiben. Sie blieb in Soest, auch aus Rücksicht auf ihre beiden schulpflichtigen Kinder, stand nun aber vor der Herausforderung, ihre Zukunft als alleinerziehende Künstlerin auskömmlich zu gestalten.
Es folgten Jahre, in denen Susanne Lüftner und couragierte Mitstreier*innen sich einmischten, sich auseinandersetzten, sich klar erkennbar positionierten, rangen, stritten und Spuren hinterließen. So gehört Susanne Lüftner mit Elke Demter-Köhler zu den Gründerinnen der Soester „künstlerinnen initiative soest (kis)“, die es sich die Aufgabe gesetzt hatte, die unzureichende Partizipation von Frauen im Kunstbetrieb eindringlich und dauerhaft zum öffentlichen Thema zu machen.
Anfang der 1990er-Jahre arbeitete Susannen Lüftner mit Patienten der Westfälischen Klinik für Psychiatrie in Lippstadt-Benninghausen. Hier entdeckte sie, wie sie erzählt, inmitten stark hospitalisierter Langzeitpatienten vier bis dahin noch unbeachtete Künstler der Art Brut oder Outsider Art: Karl Burkhard, Ferdinand Roßblatt, Alfred Stief und Med. Gustav Struck. Aus Protest gegen ein Ausstellungsverbot seitens der Klinik beendete sie selber das Arbeitsverhältnis. Dass eine von ihr initiierte Veranstaltungsreihe zur Ausstellung „Aus den Augen aus dem Sinn“ im Herbst 1993 weit über Soest hinaus Beachtung fand, bestätigt sie in ihrer strigenten Haltung auch dann weiterzugehen, wenn dicke Steine in den Weg gerollt werden.
Das sind nur zwei Schlaglichter in der Chronologie eines vielschichtigen Stückes Soester Zeitgeschichte mit engen biografischen Bezügen. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie entsetzt alle in der damals noch jungen Kunst-Praxis waren, als der Soester Stadtrat 1996 beschloss, aufgrund leerer Kassen den Kulturetat und damit die sogenannten freiwilligen Leistungen, um 40 Prozent zu kürzen. Susanne Lüftner: „Das Morgner-Haus und der Kunst-Pavillon sollten aufgeben, das Künstlerstipendium, der Morgner-Preis eingestellt werden und vieles andere mehr. Das in drei Jahrzehnten geschaffene kulturelle Erbe von Dr. Groot und Walter Klemann, das unserer Stadt eine so hohe Wertschätzung und den besten Ruf als „heimliche Kulturhauptstadt Westfalens“ eingebracht hatte, sollte abgewickelt werden.“ Es kam zur bis heute wohl größten Demonstration von Bürgerinnen und Bürgern, Künstlerinnen und Künstler aller Sparten, für den Erhalt des Kunst- und Kulturlebens in Soest.
Gemeinsam mit der neu gegründete Gruppe „Titanic“, die das sinkende Schiff der Soester Kunst und Kultur, noch knapp vor dem Untergang retten wollte, entwickelte die Kunst-Praxis eine Konzeption zur künftigen Nutzung des Wilhelm-Morgner-Hauses und schickte einen Antrag an Rat und Verwaltung. Der Soester Anzeiger bezeichnet das Papier als „eines der wichtigsten Soester Kulturdokumente.“ Zwar blieb das Ansinnen ohne Antwort, doch ein Gutes habe der vehemente Einsatz gehabt: das Morgner-Haus sei nicht zum Kino umgewidmet worden. Seit 1999 steht es unter Denkmalschutz. Indes: Den Kunst-Pavillon gibt es nicht mehr, der einst stille und beschauliche Theodor-Heuss-Park wurde zur Eventzone – das hätten die Akteure der Kunst-Praxis gern verhindert.
„5 + 30“– was bleibt? Was bleibt zu tun? „Eine ganze Menge“, meint Susanne Lüftner. Ganz vorne stehe die Aufgabe, den Verbleib ihrer wertvollen Sammlung zu sichern. Die würde sie gerne den Bürgerinnen und Bürgern von Soest hinterlassen. – „doch so ein Geschenk bedarf der dauerhaften Pflege und der Sichtbarkeit.“
5und30 Jahre KUNST-PRAXIS SOEST
Liebe Freundinnen und Freunde der Kunst-Praxis! Vor 30 Jahren, im Jahr 1994, gründete Susanne Lüftner die KUNST-PRAXIS in Soest, ein in vielerlei Hinsicht sehr besonderes Pionierprojekt, das die künstlerischen Begabungen und die Begegnungen von Menschen mit und ohne psychische Beeinträchtigungen oder andere Behinderungen fördert.
Bis heute leitet sie ehrenamtlich die Einrichtung - seit 2006 im eigenen Haus am Paradieser Weg in Soest - und ist seit vielen Jahren erste Vorsitzende des Fördervereins KUNST-PRAXIS Soest e.V..
Im 30. Jubiläumsjahr soll das Wirken von Susanne Lüftner in Soest (seit 1989) und in Leipzig (seit 2016) vorgestellt und gewürdigt werden. Entnehmt bitte alle Termine dem beiliegenden Programm.
Unser Jubiläumsfest feiern wir am 13. Oktober mit einem kulturellen Feuerwerk im Schlachthof-Kino und in der KUNST-PRAXIS am Paradieser Weg 15. Wir laden Euch ganz herzlich dazu ein!
Ein Streiflicht auf die Vita von Susanne Lüftner:
In Soest geboren und aufgewachsen, hat Susanne Hellhake, das war ihr Mädchenname, ihr Studium an den Kunstakademien Münster und München im Jahr 1978 erfolgreich abgeschlossen.
Mit ihrem ersten Ehemann, Wolfgang Lüftner, Kommilitone und später Professor, zog sie im selben Jahr nach Schwäbisch Hall, wurde Mutter zweier Kinder und verfolgte konsequent ihre berufliche Laufbahn als freischaffende Künstlerin und Mentorin für Hochbegabte, zuletzt dort auch in Heilbronn, Stuttgart und Neckarsulm.
1989 kehrte sie mit ihren kleinen Kindern nach Soest zurück. Sie stellte sich mit der Ausstellung „Bodenobjekte“ im Schiefen Turm vor, gründete die Künstler:innen Initiative Soest (KIS), die mit einer Ausstellungs- und Vortragsreihe zum Thema „Frauen in der Kunst“ überregional Aufsehen erregte. Susanne Lüftner war Initiatorin und Beteiligte am Werkstatt-Symposium „KUNST-(T)RAUM SCHLACHTHOF“ mit ihrem ehemaligen Kunstprofessor Timm Ulrichs, seinen Meisterschüler:innen und Soester Künstler:innen im Alten Schlachthof vor Beginn der Umbauarbeiten zum Bürgerzentrum.
1992 arbeitete sie mit Patient:innen in der Psychiatrie in Lippstadt-Benninghausen und schloss ihr Kunst-Projekt 1993 in Soest mit einer sehr besonderen Ausstellungs- und Programmreihe „AUS DEN AUGEN – AUS DEM SINN“ in der Neu-Sankt-Thomäkirche, im Burghofmuseum, im Alten Schlachthof und im Universum-Kino zum Thema Kunst und Psychiatrie ab. Gleichzeitig absolvierte sie eine insgesamt vierjährige Ausbildung in Klientenzentrierter Kunsttherapie.Bis heute hat Susanne Lüftner mit Elan und großem Engagement die Kunst- und Kulturlandschaft in Soest entscheidend mitgestaltet.
Seit einigen Jahren teilt sie ihre Erfahrungen mit Besucherinnen und Besuchern ihrer Ausstellungen in ihrem KUNST-PRAXIS-Atelier mit Galerie im „Tapetenwerk“, einem Co-Working-Space für Menschen, die Kreativ-Berufe ausüben, in Leipzig.
Als Schirmherr für dieses Jubiläumsjahr konnte der im hiesigen Oestinghausen geborene Dr. Elmar Schenkel, emeritierter Professor der Anglistik und des Studium Universale an der Universität in Leipzig, Schriftsteller, Kükelhaus-Forscher und Kunstmaler gewonnen werden.
Nach den Feierlichkeiten möchte sich die heute 70-jährige Künstlerin von ihrer ständigen Präsenz vor Ort verabschieden und sich in Soest und Leipzig künstlerisch und privat unabhängiger verorten. Sie aber wird weiterhin in der KUNST-PRAXIS künstlerische Förderung von (Hoch)-Begabten mit oder ohne psychische Beeinträchtigung nach Vorankündigung anbieten. Auch als Kunsttherapeutin möchte sie Klienten nach wie vor gerne begleiten.
Wir freuen uns auf Euch.
Soest.fünf und dreißig. Jubiläumsfest.
Am 13. Oktober feiern wir das Jubiläumsfest der KUNST-PRAXIS in Soest.
Wir beginnen mit einer Matinée um 11 Uhr im Schlachthof Kino. Nach der Begrüßung der Gäste durch Ulrike Dustmann, führt Susanne Lüftner in einem Bilder- und Filmvortrag
durch 35 Jahre Entstehung und Geschichte der KUNST-PRAXIS in Soest und Leipzig. Sie bildet damit einen Ausschnitt der jüngeren Soester Kunst- und Kulturgeschichte ab, der bisher nur wenigen Soesterinnen und Soestern bekannt ist.
Der diesjährige Schirmherr Dr. Elmar Schenkel, gebürtiger Soester, emeritierter Professor der Anglistik und des Studium Universale an der Uni in Leipzig, Literat, Maler und Kükelhaus-Forscher, stellt in seinem Vortrag: „Immer wieder neu anfangen.“ Betrachtungen an über das, was „Kunst“ und „Praxis“ bedeuten.
Anschließend spazieren wir in einem Umzug mit Musik und Dilettanten-Kunst durch Rosengarten und Gräfte zum Domizil der KUNST-PRAXIS am Paradieser Weg.
Ab 14 Uhr gibt´s im legendären Café Brut Kunst, Kultur & Kulinarisches in Haus und Garten.
Als Musiker spielen Angela und Gero Troike, wie immer mitreißend, „traditional jazz“ auf Klarinette und Banjo.
Die Moderation übernimmt Verena Bruchhagen, zuletzt Leiterin der FRAUENSTUDIEN an der TU Dortmund.
Die öffentliche Jubiläumsfeier endet um 16:30 Uhr.
Soest. Art Brut im Schaufenster der Ritterschen
Vom 12. bis ca. 30. April 2024 zeigt die KUNST-PRAXIS im Schaufenster der Ritterschen Buchhandlung Kunstwerke aus der "Sammlung Susanne Lüftner - Art Brut, Outsider & Modern Art". Dazu hat die Rittersche korrespondierende Werke der Poesie, Philosophie, Psychologie und artverwandte Literatur ausgesucht.
Die KUNST-PRAXIS verfügt über eine umfangreiche (Fach-)Bibliothek und verleiht diese Bücher an Mitglieder und Teilnehmende ihrer Angebote. Zudem veranstaltet sie eine Vielzahl von Seminaren und Vortragsreihen zu gesellschaftlich relevanten Themen sowie zu Lebenskunst und -philosophie, oft in Zusammenarbeit mit der Traditionsbuchhandlung.
Dorothee Merseburger-Zahrnt, eine der Vorbesitzerinnen der Ritterschen, war Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende des Fördervereins der KUNST-PRAXIS, ihr Ehemann, der Theologe und Schriftsteller Dr. Heinz Zahrnt, war bis zu seinem Tode 2003 Schirmherr der KUNST-PRAXIS.
Soest. Offene Tür mit Ton- und LesArt
Am 21. April 2024 öffnet die Kunst-Praxis von 15 bis 18 Uhr ihre Türen am Paradieser Weg 15. Zeit zum Kunst gucken, miteinander reden, sich erinnern und die Zukunft ausmalen.
Ab 16 Uhr spielen Angela (Klarinette) und Gero Troike (Banjo) mitreißende Jazz-Improvisationen.
Ab 17 Uhr liest Susanne Lüftner Texte von Elmar Schenkel, dem diesjährigen Schirmherren der KUNST-PRAXIS.
Leipzig.Kunstausstellung.
Vom 26. April bis zum 30. September 2024 zeigt Susanne Lüftner im Tapetenwerk in Leipzig ihre Ausstellung: "Gruppenbild - immer ich und die anderen“. Portraits und Selbstportraits, von 1973 bis heute.
Die KUNST-PRAXIS fördert den Kunst- und Kulturaustausch zwischen Soest und Leipzig.
Fabelhafte Dilettanten
... UND IHRE VIRTUOSE KUNST DER KOMMUNIKATION
Ausstellung vom 01.09. - 10.09.2023 im Tapetenwerk Leipzig
mit Werken von:
• KARL BURKHARD | 1927 - 2001 | Zeichnungen
• ALFRED STIEF | 1952 - 2022 | Gehäkelte Objekte, Schriftbilder, Collagen
• MED. GUSTAV STRUCK | 1937 - 2001 | Malerei, Objekte
Fabelhafte Dilettanten
... UND IHRE VIRTUOSE KUNST DER KOMMUNIKATION
Ausstellung vom 28.04. - 20.05.2023 im Tapetenwerk Leipzig
mit Werken von:
• KARL BURKHARD | 1927 - 2001 | Zeichnungen
• ALFRED STIEF | 1952 - 2022 | Gehäkelte Objekte, Schriftbilder, Collagen
• MED. GUSTAV STRUCK | 1937 - 2001 | Malerei, Objekte
#Kulturgibt Anstöße - Rückblick
"Die Kultur ist kein „nice to have“, sondern von existenzieller Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen! Kultur ermöglicht ein Leben in Freiheit und Demokratie, sie gibt uns die Fähigkeit, unlösbare Widersprüche, Mehrdeutigkeiten und Ungewissheiten auszuhalten und zu überwinden."
"Aus der Präambel der Satzung von: Initiative für die Kultur in Deutschland e.V.
#kulturgibt Anstöße - Rede von Susanne Lüftner Haude Nachlesen [113 KB]
#kulturgibt Anstöße - Impressionen
#kulturgibt - Wir machen mit!
#kulturgibt - Kunstaktion der KUNST-PRAXIS zum bundesweiten Aktionstag am 19.11.2022
Wozu Kunst?
Samstag, 19.11.2022, 12 bis 15 Uhr
Auf der Wiese vorm Rednerpult "Speak Free"
im Soester Rosengarten
Nach dem Auftakt mit einer künstlerischen Intervention oder einer kurzen Rede von Susanne Lüftner auf dem ehemaligen Schussfeld vor der Wallanlage können weitere Akteur:innen, auch zufällig vorbeiflanierende, laut oder leise formulieren: aufschreiben, zeichnen, malen, singen, tanzen, rappen und/oder auf dem Rednerpodest vor-tragen, was ihnen Kultur und Kunst bedeuten: "Wozu Kunst?"
Wer mitmacht bekommt ein signiertes Kunstposter von Susanne Lüftners Kunstaktion "Speak Free" vom 19.06.2022 im Soester Rosengarten.
Ansonsten gibt es Poster, Postkarten, Flyer und Kataloge vergangener Kunst-Aktionen der Soester KUNST-PRAXIS, die inzwischen Erinnerungs- und Liebhaberwert besitzen.
Spenden sind willkommen.
Die Stadtbefestigung von Soest
Die Stadtbefestigung von Soest: Gefährdetes (Welt)Kulturerbe -
05. September 2020 - Vortragsveranstaltung
Im vergangenen März nahmen wir Kontakt zu Prof. Dr. Ingo Sommer auf, um ihn als Soester (heute in Berlin lebend), Architekturhistoriker und anerkannten Experten zu der im Frühjahr geplanten Veranstaltung: Soest. 2020 - Walldurchbruch - ins Bürgerzentrum "Alter Schlachthof" einzuladen.
Er sagte zu, das Anliegen unterstützen, einen entsprechenden Aufsatz verfassen und ggfl. vortragen zu wollen. Die Corona-Pandemie führt nun dazu, dass die Veranstaltung: Soest. 2020 - Walldurchbruch - auf unbekannte Zeit verschoben werden muß.
Zum 26. Geburtstag der Kunst-Praxis Soest gelang es uns nun Prof. Dr. Ingo Sommer, als Soester (heute in Berlin lebend), Architekturhistoriker und anerkannten Experten einzuladen um sein Essay zur historischen Soester Wallanlage öffentlich vorzutragen.
Der Vortrag von Prof. Sommer zum Nachlesen [243 KB]
Eine Jubiläumsfeier und ein Dankeschön
Oktober 2019
Liebe Freund*innen der Kunst-Praxis,
trotz vieler anderer Kulturveranstaltungen in Stadt und Kreis Soest und des stürmisch-regnerischen Land-unter-Wetters, waren der Besuch unserer Kunst-Praxis-Jubiläumsfeier und die Rückmeldungen zur Dokumentation der Kunst- und Protestaktionen zur Umgestaltung des Soester Brunowalls in den Jahren 2018 und 2019 "Ende eines Sommers...", überwältigend!
Es gab viele persönliche Briefe, Anrufe, Emails und Beiträge - auch künstlerischer Art.
Ich bin sehr glücklich über diese Resonanz und die vielfach geteilte Freude am Gelingen der "sozialen Skulptur Kunst-Praxis", die in den 25 Jahren Höhen und Tiefen durchschiffte, oft ums Überleben kämpfte und ein mir ganz besonders "liebes Kind" geblieben ist, - mit all den Menschen, die sie zusammen mit mir gefördert, geformt, gestaltet und sich selbst dabei weiterentwickelt haben.
Ich danke jedem von Euch von Herzen für Eure wertvollen Beiträge, die Leckereien, Blumen, Euer liebevolles Mitwirken und Dabeisein
Susanne Lüftner-Haude
Dokumentation "Ende eines Sommers"
Oktober 2019
“Ende eines Sommers. Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!”
Die aktuelle Dokumentation der Kunst- und Protestaktionen der Kunst-Praxis auf dem Brunowall in Soest 2018 und 2019 ist erschienen.
Kooperationspartner: SOESTART, Soester Malschule, Kreis engagierter Bürger (KEB), Wall-Linden-Initiative. Seit Frühjahr ist die Kunst-Praxis Mitglied bei “Artists for Future” und im Klimanetzwerk Soest.
"Der Vorstand des Fördervereins der Kunst-Praxis möchte diese Dokumentation allen interessierten Soester*innen und den Ratsmitgliedern zum 25. Geburtstag der Kunst-Praxis als Jubiläumsgeschenk machen: Als einen wertvollen Beleg unserer jüngsten Stadtentwicklung, mit allen Aspekten, die auch und gerade in Soest zunehmend brisanter und dringlicher geworden sind: Klima-, Natur-, Kunst-, Kultur- und Denkmalschutz sowie die Teilhabe behinderter und nichtbehinderter Menschen am gesellschaftlichen und politischen Leben." Susanne Lüftner, 1. Vorsitzende Kunst-Praxis e.V. und Sprecherin KEB (Kreis Engagierter Bürger Soest)
Die Dokumentation liegt an bekannten Infopoints kostenlos aus. Außerdem hier als Download ... [14.561 KB]
Ausstellung "Anpassungsstörung"
August 2019
„ANPASSUNGSSTÖRUNG“
Susanne Lüftner, Karl Burkhard, Alfred Stief, Med. Gustav Struck
19.08 – 25.08.2019
Eröffnung am Sonntag,18.08.2019, 15.00 Uhr
Kloster Wedinghausen,
Klosterstraße 11
ANPASSUNGSSTÖRUNG – Sammlung Lüftner zu Gast in Kloster Wedinghausen
Schon seit 1980 setzt sich die Bildende Künstlerin und Kunsttherapeutin Susanne Lüftner mit Kunst und Leben von Vertreter*innen der sogenannten „Outsider Art oder Art Brut" auseinander und bringt nun Teile ihre Sammlung ins Kloster Wedinghausen nach Arnsberg. Die Ausstellung „Anpassungsstörung“ zeigt Werke von Susanne Lüftner und drei Outsider-Künstlern, die sie während eines einjährigen Kunstprojektes in der Psychiatrie (1992/1993) kennen und schätzen lernte, deren Leben und Werk sie seitdem fördert und begleitet. Die dialogische Ausstellung ist so konzipiert, dass die Kunstwerke der drei Outsider untereinander und mit einigen dazu ausgesuchten Arbeiten von Susanne Lüftner korrespondieren: Es entstehen Überschneidungen und Parallelen, Bezüge und Absonderungen, Fremdheit und Annäherung zwischen den Exponaten - und den Betrachtenden: „ANPASSUNGSSTÖRUNG“- das gemeinsame Thema dieser Gruppenausstellung.
Susanne Lüftner, geb. 1953 in Soest, ist seit Ende ihres Kunststudiums an der Kunstakademie in München (Diplom 1978) nicht nur freischaffende Künstlerin sondern auch Mentorin für künstlerisch hochbegabte Menschen mit und ohne Behinderungen. 1994 hat sie in ihrer Heimatstadt Soest die Kunst-Praxis – ein landesweites Leuchtturmprojekt – gegründet, die sie bis heute leitet. Susanne Lüftner zeigt Fotoarbeiten, Malerei und ein Textilobjekt.
Die Zeichenkunst von Karl Burkhard (1927-2001) ist sowohl von einer fantasievollen Themenbreite als auch von seinen schmerzvollen Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus und von seinem späteren Erleben in der Psychiatrie geprägt. Der gebürtige Iserlohner besuchte in seinen letzten Lebensjahren die Kunst-Praxis und verstarb 2001 in Lippstadt.
Die Bilder und Kunstobjekte von Med. Gustav Struck (1937-2001) vermitteln direkt, expressiv und oft humorvoll die tiefe Natur- und Heimatverbundenheit des Künstlers, der auf dem elterlichen Bauernhof in Reelsen, Krs. Bad Driburg, aufwuchs, lebte und arbeitete, bis er für Jahrzehnte - mit kurzen Unterbrechungen - in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht wurde. Die letzten Lebensjahre verbrachte er in Soest, wo er die Kunst-Praxis besuchte und in Nieheim, wo er in einem Alten- und Pflegeheim verstarb.
Alfred Stief, geb. 1952 in Recklinghausen überzeugt mit farbenkräftigen Bildwerken und dreidimensionalen Häkelarbeiten, die sein Leben vor, während und nach der psychiatrischen Internierung thematisieren. Der Künstler lebt heute in Soest.
Art Brut. Der Weinhändler und Kunstsammler Jean Dubuffet (1901-1985) stellte der Kunstgeschichte den Ausdruck Art Brut zur Verfügung. Gemeint ist „die rohe, ursprüngliche Schöpfung, wilder, reiner, unverfälschter Werke von unverbildeten Menschen“. Nach Meinung von Michel Thévoz, dem Leiter der Art-Brut-Sammlung in Lausanne, ist Art Brut„die äußere Form des Widerstandes gegenüber der kulturellen Institutionalisierung, die Ausdrucksform derer, die man als die Maximalisten der Kulturverweigerer bezeichnen könnte.“ An die Kritiker richtete Jean Dubuffet die Worte: „Sowenig wie es eine Kunst von Irren gibt, sowenig gibt es eine Kunst der an Verdauungsschwäche oder am Knie Erkrankten.“ (Text: Kurt Schrage)
„ANPASSUNGSSTÖRUNG“ ist eine bemerkenswerte und nachhallende Ausstellung, die zum Reflektieren und Staunen einlädt.
Die Ausstellung wird am 18.08 um 15.00 Uhr eröffnet und findet vom 19.08 bis zum 25.08.2019 im Kloster Wedinghausen statt. Sie ist jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
Altstadtrundgang: Zukunftsfähige Stadtentwicklung
Mai 2019
Der Kreis engagierter Bürger (KEB) und die Kunst-Praxis veranstalten am Samstag, dem 11. Mai, einen Stadtrundgang zum Thema „Herausforderungen und Zielsetzungen einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung in Soest“.
Im Mittelpunkt dieses kritischen Altstadtrundganges stehen der Klimaschutz und - aufgrund der gefährdeten, spezifischen Identität unserer historischen Altstadt - der Denkmalschutz.
Treffpunkt ist um 15 Uhr im Rosengarten am Kunstwerk „Speak Free“, auch Rednerpult genannt.
Der ca. 2-stündige Rundgang behandelt u.a. das Wallentwicklungskonzept, insbesondere die Umgestaltung des Brunowalls mit angrenzender Gräfte sowie des „Mühlenpättkens“ und die geplante neue Bebauung an der Thomästraße. Er führt weiter durch den modernisierten Theodor-Heuss-Park und endet am Modezentrum Kress.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger, die sich Soest verbunden fühlen und sich für die Belange dieser besonderen Stadt einsetzen möchten, sind zum Rundgang herzlich eingeladen.
Avatar & Atavismus, Outside der Avantgarde
August - November 2015
Ausstellung "Avatar & Atavismus, Outside der Avantgarde"
Kunsthalle Düsseldorf, 22. August bis 8. November 2015
Die Künstler Karl Burkhard und Alfred Stief aus der Sammlung Susanne Lüftner nehmen mit ihren Werken an der Ausstellung teil.
Pressemitteilung zur Ausstellung:
„Angekommen! Heimliche Künstler“ titelte das art-Magazin im Jahr 2013, als Outsider Künstler ihre Werke auf der Biennale in Venedig zusammen mit den Besten der zeitgenössischen Kunst-Avantgarde präsentierten, nicht als Exotikum, sondern als selbstverständlicher Bestandteil: „Sie galten als psychisch krank oder waren Sonderlinge. Sie schufen sich einen eigenen Kosmos, obsessiv, konsequent, mit ganzer Hingabe. Irgendwann entdeckte der Kunstbetrieb die Werke und nannte sie Outsider Art. Auf der Biennale in Venedig steht diese Kunst jetzt sogar im Mittelpunkt - die Außenseiter von früher sind plötzlich mittendrin.“
In diesem Jahr wird diese Auszeichnung auch zwei Künstlern der Soester Kunst-Praxis zuteil: Karl Burkhard und Alfred Stief präsentieren in der Ausstellung „Avatar und Atavismus“ besonders herausragende Werke. Aus der Pressemitteilung der Kunsthalle Düsseldorf: „Die Ausstellung zeigt bekannte Künstlerinnen und Künstler mit Arbeiten zwischen Obsession, Narration und Ironie, wie sie seit der postmodernen Wende nach 1978 möglich geworden sind. Ein Raum mit Werken des `wilden´ Jahrzehnts eröffnet mit Namen wie Walter Dahn, Martin Disler und Jiří Georg Dokoupil. Daran schließen sich Arbeiten Siegfried Anzingers an, flankiert von Künstlern wie Antonius Höckelmann und Alfred Klinkan. Im folgenden Jahrzehnt lassen sich wie eine animistische Kette Positionen von Franz West, Rosemarie Trockel, Günther Förg, Thomas Schütte und Mike Kelley ausmachen, die neue Avatare erfinden: West die Lemuren, Förg die Masken und Trockel die gestrickten Gesichtsmasken `Balaklava´. Was diese Archetypen vollends legitimiert und erst heute richtig sichtbar macht: Diese Avatare sind von unterschiedlichen Persönlichkeiten der Generationen zuvor, angeführt von Louise Bourgeois und Maria Lassnig mit Georg Baselitz und Bruce Nauman, die in der gleichen Zeitspanne eine ähnliche Grundhaltung an den Tag legen.
Künstlerpersönlichkeiten wie Sarah Lucas, Dana Schutz, Kai Althoff, Thomas Zipp, André Butzer, Andy Hope 1930 oder John Bock setzen nach 2000 diese Tendenz mit ganz eigenen Akzenten fort. Tal R und Jonathan Meese errichten eine Teil-Rekonstruktion der Burg MOR von 2005. Die Avatare der jungen Generation von heute verbinden sich mit Ready Mades und Medienreflexion, so in den Arbeiten von Justin Matherly und Eva Kot'átková.
Hinzu kommen KünstlerInnen aus Kunsthaus Kannen Münster, Kunst-Praxis Soest e.V., MALzeitler Duisburg, ULSS 2 Feltre/Italien; u.a.: Georg Brinkschulte, Karl Burkhard, Giuseppe Curto, Giorgio Dorigo, Wilma Savio, Alfred Stief.“
Sinnreich
Die Soester Kooperation für Lebenskunst
2013
In Soest gibt es drei Institutionen, die mit ihren spartenübergreifenden, integrativen Angeboten und Impulsen in Theorie und Praxis, überaus wirksam das Soester Kulturleben weit über seine Grenzen hinaus inspirieren. Diese drei sind die „Kunst-Praxis“, die seit 1994 in Soest ein künstlerisches, kunsttherapeutisches und philosophisches „Laboratorium“ für Menschen mit und ohne körperliche, seelische oder geistige Behinderungen betreibt und die im Jahre 2013 Haus, Atelier und Garten als Gesamtkunstwerk und Museum eröffnete, außerdem die „Rittersche Buch- und Kunsthandlung", die sich seit ihrer Gründung im Jahre 1836 als lebendiger Ort der Begegnung zwischen Mensch, Buch und literarischer Avantgarde versteht und schließlich die „Akademie für angewandte Philosophie", die seit 2012 in Soest auch für Nichtphilosophen philosophische Methoden und Einsichten bereithält.
Diese drei Institutionen haben ihren je eigenen Zugang zu den „großen Fragen“, beispielsweise nach Sinn, Freiheit, Gerechtigkeit oder Liebe. Gleichzeitig sind sie dadurch miteinander verbunden, dass sie das menschliche Bedürfnis in den Mittelpunkt stellen, sich und die Welt gemeinsam und nicht in Konkurrenz zueinander erforschen zu wollen.
Kunst-Praxis, Rittersche und Philosophie-Akademie, haben sich Anfang 2014 unter dem verbindenden Motto „Sinnreich“ zusammengeschlossen und wollen künftig gemeinsam grenzerweiternde Projekte in Soest initiieren. Den Anfang macht eine Vortragsreihe, die vom Philosophen, Biologen und Naturjournalisten Cord Riechelmann eröffnet wird, der ein von der Kritik gefeiertes Buch über Krähen veröffentlicht hat. Es folgen der Philosoph und Buchautor Gerd B. Achenbach, der 1981 den Begriff der Philosophischen Praxis (PP) begründete und schließlich der Philosoph und Hochschullehrer Wilhelm Schmid. Sie werden in je einem Vortrag am 7. Mai, 10. September und 24. November einen Spannungsbogen entwerfen von einer „Kultur der Erregung“, einer „Kultur der Begeisterung und des Engagements“ bis hin zur „Kultur der Gelassenheit“.
Kunst, Literatur und Philosophie haben uns insbesondere heute etwas Wesentliches zu sagen. In einer globalisierten Welt, die immer komplexer und vielfältiger wird, haben wir als Menschen Bedürfnisse und Fragen, die uns weder die Wirtschaft, noch die Technik oder die Naturwissenschaften beantworten können. Seit jeher macht der Mensch sich nicht nur auf die Suche, praktische Probleme und Aufgaben zu lösen, es gibt mehr, das ihn antreibt, mehr, was er verstehen will.
Kunst, Literatur und Philosophie haben gemeinsam, dass sie es dem Menschen ermöglichen, sich in Beziehung zu setzen: Hier begegnet der Mensch zunächst sich selbst und seinen eigenen Fragen. Das kann im stillen Kämmerlein geschehen. Da wir aber soziale und geistige Wesen sind, ist es für uns umso erhellender und bereichernder, wenn wir uns gemeinsam mit anderen Menschen im Austausch über Kunst, Literatur und Philosophie erfahren.
"Der dreifach diplomierte Idiot
Februar - Mai 2014
"Der dreifach diplomierte Idiot", das Phänomen Erich Spießbach
Die Kunst-Praxis lädt am Sonntag, dem 9. Februar, zu einer Exkursion ins Kunsthaus Kannen in Münster zur Ausstellungseröffnung ein.
Der dreifach diplomierte Idiot
Ab 15 Uhr wird Dr. Thomas Röske, Leiter der Sammlung Prinzhorn, in Soest als Experte und Förderer der Outsider-Art Sammlung Lüftner bekannt, in die Ausstellung "Der dreifach diplomierte Idiot", das Phänomen Erich Spießbach, einführen:
"Jemanden als verrückt und schwierig zu bezeichnen ist leicht, doch wenn diese Person dann auch noch Intellekt besitzt, wird es schwer.
Die Heilige Dummheit
Erich Spießbach (1901-1956) war anders als seine Zeitgenossen, eckte an und stritt. Die Lebensgeschichte von Erich Spießbach, die im Kunsthaus Kannen gezeigt wird, stellt nicht nur das Leben eines hochbegabten Menschen, sondern den Umgang mit psychisch Kranken im Dritten Reich und in der Nachkriegszeit, der Debatte der Archäologie und familiärer Problematiken in dieser Zeit dar. (...)
Die siegreichen Dummen
Der Titel der Ausstellung „Der dreifach diplomierte Idiot“ – wie er sich auch selbst bezeichnete – bringt dies genau auf den Punkt. Sein Werk ist ein wunderbares Beispiel für eine Zeit in denen Menschen mit psychischen Problemen lieber aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden als sich mit ihnen auseinanderzusetzen. In seinen Werken geht er provokativ mit dem politischen Geschehen seiner Zeit und den sozialen Entwicklungen um."
(Text-Auszug, Kunsthaus Kannen)
Abfahrtszeit: 13.30 Uhr, Treffpunkt: Kunst-Praxis, Paradieser Weg 15, Soest. Kosten: 10 Euro/Person
Anmeldung und Information, Tel.: 02921 76 70 97; Mobil: 0160 970 483 59; eMail: kunstpraxis.soest@t-online.de
Ausstellungsdauer: 09.02. bis 04.05.2014
www.kunsthaus-kannen.de
„Eine Pionierin wird 20“
die Kunst-Praxis in Soest, 1994 bis 2014
LEBENSART
Seit 1994 steht die KUNST-PRAXIS in Soest, mit dem 2012 eröffneten MUSEUM SAMMLUNG SUSANNE LÜFTNER – OUTSIDER & MODERN ART, für Kunst, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Als lebendige, unabhängige Institution bereichert die KUNST-PRAXIS die Kunst- und Kulturszene in Soest und weit über die Grenzen der Stadt hinaus.
Mit der Vorbereitung und Planung des Jubiläumsjahres 2014 der Soester Kunst-Praxis befassen sich seit wenigen Wochen, gemeinsam mit Susanne Lüftner, auch die diplomierte Kulturwissenschaftlerin und Künstlerin Michaela Ruhfus und der Informatiker Sven Sladek, die seit einigen Wochen im Kunst-Praxis-Team mitarbeiten. Die Schaffung von Arbeitsplätzen für Künstlerinnen und Künstler ist ein Satzungsziel der Kunst-Praxis. Susanne Lüftner und der Vorstand des Fördervereins sind ausschließlich ehrenamtlich tätig.
Susanne Lüftner: „Wir suchen derzeitnoch eine Person - eine Pensionärin oder einen Pensionär etwa - deres Freude machen würde, geeignete Sponsoren-Partner zu finden und mit unserer wohltätigen und gemeinnützigen Einrichtung zusammen zu bringen, die sich in der Vielfalt von Fördermitteltöpfen, Stiftungen und Projektgeldern zurechtfindet und passende Anträgebearbeitet und/oder die evtl. die Spendenakquise übernehmen möchte. Eine solche ehrenamtlich tätige Person wäre für das Kunst-Praxis-Team und die Menschen, die die Angebote der Kunst-Praxisnutzen, eine große Hilfe.“
In dieser Woche, vom 3. bis 6. Oktober, wird die Kunst-Praxis beim „2x2Forum“, einer Kunstmesse für Art Brut und Outsider Art, mit Vorträgen, Workshops und Theater, im Kunsthaus Kannen in Münstervertreten sein. (--> Info: kunsthaus-kannen.de)
Wer mitfahren und/oderuns dort besuchen möchte, kann sich in der Kunst-Praxis melden.
Ihren 20. Geburtstag in diesem Jahrgestaltet die Kunst-Praxis ruhiger und besinnlicher. Am Sonntag, den 13. Oktober, von 15 bis 18 Uhr wird zu selbstgebackenem Kuchen ins „Café Brut“ und zu einer Führung durch die Sammlung (ab 16 Uhr) eingeladen.
Kurzbeschreibung des Projektes, das in Soest und Berlin statt findet
Die Kunst-Praxis in Soest mit dem 2012 eröffneten „Museum Sammlung Susanne Lüftner – Outsider & Modern Art“ steht für Kunst, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung.
1994 von der Künstlerin und Kunsttherapeutin Susanne Lüftner gegründet, ist die Kunst-Praxis ein Ort der Begegnung zwischen jungen, erwachsenen und alten Menschen, Menschen in Lebenskrisen, nach Psychiatrieaufenthalten, Behinderten und Nicht-Behinderten. Ein Ort für Künstler, Philosophen und Forscher, Phantasten und Grenzgänger, Schauende und Schaffende. Als lebendige „Graswurzelbewegung“ bereichert die Kunst-Praxis seit nunmehr fast 20 Jahren die Kunst- und Kultur-Szenein Soest und weit über Grenzen unserer Stadt hinaus.
Die Kunst-Praxis war immer wieder Pionierin: So arbeiteten hier Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen, lange bevor der Begriff der Integration in der Gesellschaft zum Leitbegriff wurde. Werke aus der Sammlung Susanne Lüftner wurden in Deutschland und international ausgestellt, z. B. im Jüdischen Museum in Berlin, in der Halle de Saint Pierre in Paris, in der Galerie Stähli in Zürich und auf der Outsider Art in New York – und dies lange bevor die Art Brut von der „offiziellen Kunstwelt“ akzeptiert wurde und z. Zt. aktuell auf der Biennale in Venedig „angekommen“ ist.
VERANSTALTUNGEN IM JUBILÄUMSJAHR2014
In den letzten 20 Jahren haben Susanne Lüftner und das Kunst-Praxis-Team nicht nur vielfältigste Begegnungen ermöglicht, sondern zahlreiche Veranstaltungen sind durch Zusammenarbeiten entstanden. Im Jubiläumsjahr und zur Gründungsfeier am 11./12. Oktober 2014 sind alle Kunst-Praxis-Teilnehmer, Künstler und Philosophen, Mitstreiter und Förderer eingeladen, die die Kunst-Praxis ermöglicht, inspiriert und bereichert haben.Das Programm des Jubiläumsjahres wächst aus diesen Wieder-Begegnungen. Und natürlich sind dazu auch neue Gästeherzlich eingeladen!
KATALOG DER SAMMLUNG
Zu Anlass des 20-jährigen Bestehens möchte die Kunst-Praxis einen Katalog mit Werken von vier Künstlern aus der „Sammlung Susanne Lüftner“, die der „Art Brut“ oder„Outsider Art“ zuzuordnen sind, herausbringen, vorausgesetzt, die hierfür beantragten Fördergelder werden bewilligt.
Die Sammlung hat ihren Ursprung ebenfalls in einer Begegnung: Susanne Lüftner war 1992/93 als Künstlerin in der Westfälischen Klinik für Psychiatrie Lippstadt-Benninghausen tätig. Dort arbeitete sie u. a. mit den Bewohnern Karl Burkhardt, Ferdinand Roßblatt, Alfred Stief und med.Gustav Struck, erkannte ihr künstlerisches Talent und begann, ihre Arbeit zu fördern und ihre Werke zu sammeln. Die erste Ausstellungim Jahr 1993 „Aus den Augen – Aus dem Sinn“ in der Neu-Sankt-Thomäkirche, im Burghofmuseum und im Bürgerzentrum „AlterSchlachthof“ in Soest ist heute noch vielen damaligen Besuchern in Erinnerung. Seitdem wächst die Kollektion ständig weiter und wurde in Ausstellungen im In- und Ausland präsentiert. Dr. Thomas Röske, Leiter des Museums „Sammlung Prinzhorn“ in Heidelberg, der ersten und weltweit bedeutenden Sammlung der Kunst psychiatrisch internierter Menschen (um 1920), hat die Sammlung Susanne Lüftner, seit ihren Anfängen 1993, wissenschaftlich begleitet und maßgeblich gefördert.
Die geplante Werkschau wäre der erste „eigene“ Katalog der vier Künstler, die bis auf Alfred Stief inzwischen verstorben sind. Der Katalog soll ihr Lebenswerk würdigen und die Kraft und Eigenheit ihrer Arbeiten aufzeigen, die von der Unbedingtheit, sich ausdrücken zu müssen, Zeugnis geben. Zudem soll der Katalog das Engagement von Susanne Lüftner vorstellen und würdigen: durch ihren Einsatz – unter oft schwierigsten Voraussetzungen - sind Werke geschaffen worden, ist eine Sammlung entstanden, die es ohne sie, die selber Kunstschaffende ist, nicht gäbe.
Im Rahmen der Jubiläumsfeier am 11./12. Oktober 2014 sollen Katalog und Werke der Sammlung in den Museums-Räumen der Kunst-Praxis in Soest und anschließend - vom 13. November 2014 bis zum 10. Januar 2015 - in der renommierten Galerie ‚Art Cru‘, in den Kunsthöfen in Berlin, präsentiert werden.
Infos zum Jubiläumscafe Brut
Jubiläum Cafe Brut Folder 2014.pdf
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Kunst-Praxis beim 2x2 Forum
Oktober 2013
Die KUNST-PRAXIS wird vom 3. bis 6. Oktober beim „2x2 Forum“, einer Kunstmesse für Art Brut und Outsider Art, mit Vorträgen, Workshops und Theater, im Kunsthaus Kannen in Münster vertreten sein.
Infos finden sich unter kunsthaus-kannen.de.
19. Geburtstag der Kunst-Praxis
Bericht vom 19. Geburtstag der Kunst-Praxis am 13. Oktober 2013 und dem 2x2 Forum im Kunsthaus Kannen vom 03. Bis 06. Oktober 2013.
Rotbackige Äpfel von der Nachbarin, frische Walnüsse aus der herbstlichen Börde, duftender Kaffee, ein von Künstlerinnenhand reich verzierter Geburtstagskuchen und viele weitere selbstgebackene Leckereien, - der 19. Geburtstagstisch in der Kunst-Praxis war am Sonntag reich gedeckt. Kunst-Praxis-Leiterin Susanne Lüftner-Haude führte die Gäste durch ihr Atelier und das ungewöhnliche Soester Kunsthaus, ein im letzten Jahr eröffnetes Museum, mit Exponaten aus der Sammlung Susanne Lüftner. Zwischen die Werke von Outsidern oder Art Brut-Künstlern, die Susanne Lüftner-Haude vor über 20 Jahren entdeckte, seitdem fördert und bereits international ausstellte, mischen sich Arbeiten von Künstlern wie Wolfgang Lüftner, Pavel Feinstein, Carola Mahl und Michaela Ruhfus, sowie Fotografien von Arno Haude.
Bei ihren Führungen weiß Susanne Lüftner viele Anekdoten und Geschichten über die originellen Künstler zu erzählen: „Ich erlebe immer wieder, wie beeindruckt, ja ergriffen, die Besucher reagieren, wie offen und aufgeschlossen sie nach kurzer Zeit das Gespräch suchen. Die besondere Gestaltung der Räume, in denen – anders als in einem gewöhnlichen Museum - gelebt und künstlerisch gearbeitet wird, darin die Exponate, die unmittelbar Zeugnis geben, dass sie ein Überlebensmittel für ihre hochbegabten und sensiblen Schöpfer bedeute(te)n und ihre oft tragischen Lebensgeschichten im sozialen Exil, in Anstalten oder in selbstgewählter Abgeschiedenheit, lassen niemanden unberührt.“ So trägt die Kunst-Praxis, seit bald 20 Jahren, mit ihren künstlerischen, kunsttherapeutischen und philosophischen Angeboten überaus erfolgreich dazu bei, dass sich Psychiatrie-Erfahrene, Menschen mit und ohne Behinderungen, unbefangener begegnen können und ihre lebensförderliche Kreativität, ihr künstlerisches Talent entfalten.
Susanne Lüftner-Haude berichtete den Gästen noch von den besonderen Würdigungen beim jüngsten Kongress und der Kunstmesse „2x2 Forum“ im Münsteraner Kunsthaus Kannen zu Beginn dieses Monats: Drei Künstler aus ihrer Sammlung, Karl Burkhard, Gustav Struck und Alfred Stief begeisterten die Besucher, Museumsleiter und Galeristen aus zahlreichen europäischen Ländern. Einladungen zu Ausstellungen folgten und das französische Museum „Art en Marche“ erwarb mehrere gehäkelte Objekte von Alfred Stief. Der inzwischen 61jährige Künstler war bekanntlich 2 Jahrzehnte zu Unrecht in der forensischen Psychiatrie untergebracht. Susanne Lüftner-Haude erwirkte, nach jahrelangem Kampf, gemeinsam mit einem Anwalt, 2009 seine Entlassung. (Der Anzeiger berichtete) Heute lebt Alfred Stief zufrieden, gesund, endlich gut betreut in Soest und arbeitet regelmäßig im Atelier der Kunst-Praxis. Weitere Werke aus der Sammlung Lüftner, eine Zeichnung von Karl Burkhard und zwei Häkelobjekte von Alfred Stief wurden vom Kunsthaus Kannen ausgewählt. Susanne Lüftner erwarb für ihre Sammlung ein großes, expressives Werk des französischen Art Brut-Künstlers Philippe Azema und eine weitere Skulptur von Markus Meurer mit dem phantastischen Titel „Medimafischkettenarmeisengokkel.“ In der Kunst-Praxis gratulierten die Gäste Alfred Stief, der mit Häkelnadel und Wolle zum Geburtstag erschienen war, zu seinem Erfolg. Der stellte daraufhin eine Kostprobe seiner Kunst, ein rotes Hütchen, her, das er als Geschenk zurückließ.
Leserbrief
Zur Kundgebung gegen Rechtsextremismus am 22.01.24 kamen weit über 3000 Menschen vor das Soester Rathaus. Sie alle zeigten Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Menschenverachtung. Die ursprüngliche Entscheidung des CDU-Stadtverbandes Soest, der angesagten „Demonstration für Demokratie, gegen Rechts“ fern zu bleiben, machte zunächst fassungslos und veranlasste mich einen Leserbrief zu schreiben, der vom Soester-Anzeiger auch veröffentlicht wurde.
Aufruf
Liebe Freunde der KUNST-PRAXIS,
Sage Nein!
gemeinsam gegen Rechts. Die aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen erfordern unser aller Engagement und ein klare Haltung. Ich rufe euch daher auf, gemeinsam mit Parteien, Kirchen und Vereinen, am kommenden Montag (22.01.2024) um 18 Uhr vor dem Soester Rathaus ein starkes Zeichen gegen Hetze, Rassismus und Rechstextremismus zu setzen und für unsere freiheitliche Demokratie zu kämpfen. Je nach Möglichkeit werde ich versuchen einen Redebeitrag einzubringen.
Susanne
22.10.2023 Tag der öffenen Tür
30 JAHRE "SAMMLUNG SUSANNE LÜFTNER - ART BRUT, OUTSIDER & MODERN ART"
Die "Sammlung Susanne Lüftner - Art Brut, Outsider & Modern Art" zeigt Werke, die der Art Brut zuzuordnen sind, z.B. von Karl Burkhard, Alfred Stief und med. Gustav Struck. Menschen, die durch abweichende Erlebens- und Sichtweisen "aus dem Rahmen fallen", Menschen mit außergewöhnlichen Bewusstseinserfahrungen, psychischen Störungen bzw. Behinderungen sind häufig auch sozial benachteiligt und von der Gesellschaft isoliert, insbesondere während längerer Klinikaufenthalte und danach. Künstlerische Arbeit und die Förderung kreativer Begabungen können eine Chance zu aufrichtiger Wertschätzung und gesellschaftlicher Anerkennung sein. Eine Einführung in die Sammlung startet um 15:30 Uhr durch Susanne Lüftner, Gründerin und Leiterin der Kunst-Praxis, Erste Vorsitzende des Fördervereins. Der Eintritt ist frei.
mehr Infos ...
Bericht im Soester Anzeiger vom 06.09.2023 [300 KB]
Alfred Stief verstorben
Alfred Stief - Nachruf
Nachruf zu Alfred Stief
geboren am 29.01.1952 in Recklinghausen, gestorben am 09.11.2022 in Soest
Alfred Stief, einer der ungewöhnlichsten Künstler der Soester Kunstszene, ist am 9. November überraschend gestorben. In den vergangenen zehn Jahren lebte er gut umsorgt im Hanse-Zentrum in Soest. Er besuchte regelmäßig die Kunst-Praxis und arbeitete ehrenamtlich in der Werkstatt des SEN. Die letzten zwei Jahre waren auch für ihn, aufgrund der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Isolation, sehr beschwerlich. Zwei Krankenhausaufenthalte, die er in diesem Jahr noch zuversichtlich überstand, ließen auf seine Genesung hoffen. Er wurde 70 Jahre alt.
Viele Soesterinnen und Soester kennen Alfred Stief und seine Werke (Malerei, Collage, Textil) von Ausstellungen in der Galerie König in Münster und wenig später im hiesigen Morgner-Haus („Parallelwelten“, 2009), zum Kulturhauptstadtjahr 2010 in der Kunsthalle Recklinghausen („Outdoor & Outside“), in der Kunsthalle Düssseldorf („Avatar und Atavismus“, 2015) und im Kloster Wedinghausen in Arnsberg („Anpassungsstörung“, 2019).
Im „Café Brut“, bei Festen und Veranstaltungen der Soester Kunst-Praxis, die ihn als Mensch und Künstler seit 1993 förderte, zeigte Alfred Stief den Gästen, wie seine Kunst entsteht.
Zuletzt wurden, im September dieses Jahres, einige Werke von ihm einem großen Publikum im „Tapetenwerk“ in Leipzig vorgestellt.
Was verhältnismäßig glücklich endete, war ein über die längste Zeit extrem beschädigtes, stets gefährdetes Leben:
Alfred Stief kam 1952 als dritter von fünf Söhnen eines kriegsversehrten Bahnangestellten und seiner Ehefrau in Recklinghausen zur Welt. Ob seine leicht geistige Behinderung angeboren oder die Folge einer Erkrankung war, ist bisher nicht bekannt. Laut Auskunft seines jüngeren Bruder, verbrachte Alfred Stief seine frühen Jahre in „Haus Hall“, einer strengen, katholischen Einrichtung für Kinder mit Behinderungen in Gescher bei Coesfeld. Als Jugendlicher, zu seiner Familie nach Recklinghausen zurückgekehrt, machte er die Bekanntschaft einer Nachbarin, der er beim Häkeln zusah. Diese Fertigkeit wurde die handwerkliche Grundlage für seine späteren künstlerisch-hochkomplexen Textil-Arbeiten, in denen er biographische Themen verarbeitete.
Bis zu seinem 36. Lebensjahr arbeitete Alfred Stief im Gartenbau und, wie er stolz angab, „als Sandstrahler“ einer Baufirma im Ruhrgebiet.
Tragischerweise geriet er 1989 wegen einer relativ geringfügigen Straftat in den Maßregelvollzug und lebte dann 20 Jahre in verschiedenen Einrichtungen der forensischen Psychiatrie, „unverhältnismäßig lange“, wie die Staatsanwaltschaft 2009 befand.
In den Jahre zuvor, war die Begründung seiner Unterbringung im Maßregelvollzug eine andere gewesen: Von einer schweren Straftat war die Rede und von einer Gefährlichkeit, die nach wie vor von ihm ausginge. Die juristische Überprüfung durch Alfred Stiefs Rechtsbeistand, brachte die Fakten ans Licht und führte zu seiner umgehenden Freilassung.
Auch andere Menschen hatten sich um den Künstler in psychiatrischer Sicherungsverwahrung bemüht. Die Psychosoziale Umschau (PSU) schrieb in ihrer Aprilausgabe 2014: „Seine Entlassung hat Stief der Soester Künstlerin Susanne Lüftner-Haude und dem Förderverein ihrer Kunst-Praxis zu verdanken, die sich lange für den leicht geistig behinderten Häkelkünstler eingesetzt hatten und ihm schließlich einen engagierten Rechtsanwalt an die Seite stellen konnten (wir berichteten in den PSU 3+4/2008 und 2/2009).“
Susanne Lüftner lernte Alfred Stief und zwei weitere Künstler der sogenannten Art-Brut, Gustav Struck und Karl Burkhard, 1992 im Rahmen eines Kunstprojektes kennen, das sie als Künstlerin und angehende Kunsttherapeutin in der westfälischen Klinik für Psychiatrie in Lippstadt-Benninghausen planen und durchführen konnte. Aufgrund eines disziplinarisch begründeten Ausstellungsverbotes für die Patienten Alfred Stief und Gustav Struck, das die Klinikleitung 1993 verhängte, kündigte Susanne Lüftner damals ihre Stelle und gründete ein Jahr später ihre Kunst-Praxis.
Die von der Künstlerin zuvor geplante und vorbereitete Ausstellungs-, Vortrags- und Filmreihe „Aus den Augen - aus dem Sinn“ konnte dennoch im September 1993 in der Neu-Sankt-Thomäkirche, im Burghofmuseum, im Bürgerzentrum „Alter Schlachthof“ und im Universum-Kino in Soest stattfinden. Susanne Lüftner zeigte in diesem Rahmen eigene und künstlerische Arbeiten von Patientinnen und Patienten sowie die Werke der vom Ausstellungsverbot betroffenen Künstler, mit denen sie in der Klinik gearbeitet hatte. So wurde diese Geschichte unter großer Medien- und Publikumsbeteiligung erstmals öffentlich und auch im Soester Anzeiger thematisiert. Die Klinikleitung erteilte Susanne Lüftner daraufhin ein Besuchsverbot, das mit Sicherheitsbedenken begründet und bis 2005 aufrecht erhalten wurde.
Susanne Lüfter blieb all die Jahre beharrlich bei ihrer Überzeugung, dass Alfred Stiefs künstlerisches Talent nicht hinter Mauern verborgen bleiben dürfe und dass er, ohne Schutz und Unterstützung durch seine Familie, Rückhalt von außen brauche. Susanne Lüftner hielt Kontakt über die Betreuer und durfte ihn ab 2005 regelmäßig in der Forensik besuchen. Sie organisierte Ausstellungen, Museums-, Galerie- und Hochschulkontakte und stellte die Künstler der sogenannten Art Brut oder Outsider Art, Karl Burkhard, Gustav Struck und Alfred Stief landesweit und international vor.
Bestärkung erfuhr die Künstlerin durch das nicht nachlassende Engagement von Mitstreiterinnen und Mitstreitern des Fördervereins der Kunst-Praxis, vom Bundesverband Psychiatrieerfahrener sowie durch Berichterstattungen in der FAZ, der taz, im WDR und immer wieder auch im Soester Anzeiger.
Alfred Stief, der seit einer Kehlkopfkrebsoperation im Jahr 2005, nicht mehr sprechen konnte, zeigte sich den Menschen, die ihn unterstützten, auf liebenswerte Weise verbunden und dankbar. Susanne Lüftner: „Seine Freundlichkeit und Zugewandtheit hat er sich bis zuletzt bewahrt und konnte dies, auch ohne Worte, aufmerksam und humorvoll zeigen. Darin ist er allen, die ihn kennen, ein Vorbild.“
Schon zu Lebzeiten hat Alfred Stief seine Kunstwerke der „Sammlung Susanne Lüftner“ vermacht, die ebenso wie die Werke von Karl Burkhard und Gustav Struck, die lange die Kunst-Praxis besuchten und 2001 verstorben sind, im kleinen Museum der Kunst-Praxis untergebracht und nach Voranmeldung bewundert werden können.
Soest, den 12.12.2022
Für den gesamten Vorstand des Fördervereins der KUNST-PRAXIS Soest e.V.
Susanne Lüftner-Haude
Bildende Künstlerin
Kunsttherapeutin
Leiterin der KUNST-PRAXIS
Erste Vorsitzende des Fördervereins derKUNST-PRAXIS Soest e.V.
#kulturgibt Anstöße - Impressionen
#Kulturgibt Anstöße - Rückblick
19.11.2022 - Rosengärtren "speak free"
"Die Kultur ist kein „nice to have“, sondern von existenzieller Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen! Kultur ermöglicht ein Leben in Freiheit und Demokratie, sie gibt uns die Fähigkeit, unlösbare Widersprüche, Mehrdeutigkeiten und Ungewissheiten auszuhalten und zu überwinden."
"Aus der Präambel der Satzung von: Initiative für die Kultur in Deutschland e.V.
#kulturgibt Anstöße - Rede von Susanne Lüftner Haude Nachlesen [113 KB]
28 Jahre Kunst-Praxis-Soest
Rede von Susanne Lüftner-Haude zum 28. Geburtstag der Kunst-Praxis:
Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Gäste, die Soester Kunst-Praxis war, erstmals in ihrer Geschichte, zwei Jahre lang für Publikumsverkehr geschlossen und Angebote wie „Laboratorium, Kunst von und für Menschen mit und ohne Behinderungen“, „Beziehungsweise - Kunsttherapie“, „Denk mal! -philosophische Seminare und Workshops sowie Vorträge zu gesellschaftlich relevanten Themen“ und das Café Brut waren vom Corona-Lock-down betroffen und wurden eingestellt.
In dieser Zeit wurden die Werk- und Ausstellungsräume fachkundig renoviert, was mit großem Aufwand verbunden war, denn unser Gartenhaus musste wegen der Bodensanierung vollkommen leer geräumt werden.
So gut es pandemiebedingt ging, pflegte und erweiterte ich unsere Netzwerke. Zuletzt, in diesem Jahr, förderte unser Förderverein die Durchführung und Veröffentlichung der Kunstaktion „Speak Free“ von Susanne Lüftner, also meiner Person, am Redepult im Soester Rosengarten.
28 Jahre lang, seit ihrer Gründung im Jahr 1994, hat die Kunst-Praxis als Pilotprojekt weit über Soest hinaus, Pionierarbeit geleistet, wurde zu Ausstellungen, Kongressen, Symposien und in Hochschulen im In- und Ausland eingeladen, um über ihre Erfahrungen, Erfolge und Behinderungen, im Bereich Kunst und Kultur zu berichten und Zeugnis abzulegen, lange bevor der Begriff „Inklusion“ zum sozial- und bildungspolitischen Weckruf wurde.
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RÜCKBLICK: KÄFERFLUG UND WANDERKARRE
16-18.09.2022 - Tapenwerk Leipzig
Werke von Susanne Lüftner und Werke aus der „Sammlung Susanne Lüftner - Outsider Art und Art Brut“
Ein fotografisches, digital bearbeitetes Selbstportrait, textile Objekte und Arbeiten in teils gegenständlicher Malerei thematisieren mit feiner Ironie gesellschaftlichen Anpassungsdruck, Verführung zum Konsum, Verunsicherung und Identitätssuche des Menschen im digitalen Zeitalter. Desweiteren wurden einige Werke von Karl Burkhard, Alfred Stief und Med. Gustav Struck aus der „Sammlung Susanne Lüftner - Outsider Art und Art Brut“ vorgestellt
KARAKATAK
16-18.09.2022 - Tapenwerk Leipzig
Als Überraschungsgast hat sich das Improvisationsduo Karakatak zum Tapetenwerkfest 28.0 + Herbstrundgang 2022 angekündigt. Ella Wolff und Elmar Kühn werden bei passender Gelegenheit während der Öffnungszeiten eine Kostprobe ihrer Ton-Kunst - mitschwingend zu den vorgestellten Exponaten - darbieten:
"Auf ihrer Reise durch unterschiedlichste musikalische Stilistik mischt sich samtig sonore Kommunikation mit experimenteller Klangerfahrung zu Formen improvisatorischer Assoziation aus Witz, Weisheit und emotionaler Befreiung. Dabei verleihen die virtuosen Musik-, Gesangs- und SprachperformerInnen mittels Beatbox-Bounces, Noises und Voices ihrer Liebe zu diversen künstlerisch-musikalischen Formen Ausdruck: inspiriert durch Genres wie Hip-Hop, Metal, Newsoul, Jazz, Electro, Reggaeton, Dub, Drum ’n’ Bass, Triphop, bis hin zu Klängen und Harmonien klassischer Klarheit."
Künstlerische Intervention
Vorstellung der Kunstaktion zu Manaf Halbounis "speak free" im Rosengarten am 19.06.2022
Aktionsplakat Download [673 KB]
Kunst und Kultur können Türen offen halten
03.03.2020 - Pressemitteilung des KUNST-PRAXIS Soest e.V. zum Krieg in der Ukraine:
Die Soester Kunst-Praxis hat sich im Lauf ihres fast dreißigjährigen Bestehens, für die Förderung und Sichtbarmachung künstlerisch begabter Menschen mit Psychiatrieerfahrung, seelischen und/oder körperlichen Beinträchtigungen stark gemacht. In der Nazidiktatur wurden behinderte Menschen, aber auch kritische, "entartete" Künstlerinnen und Künstler, hunderttausendfach Opfer eines barbarischen, systematischen Vernichtungswahns. Bis heute kämpfen sie - auch in der freien Welt - mit ihren Verbänden um gerechte Teilhabe und gegen Stigmatisierung.
Die Kunst-Praxis, behinderte und nichtbehinderte Kunst- und Kulturschaffenden gemeinsam, haben sich in Soest sowie deutschlandweit und international mit Ausstellungen, Vortragsreihen und Kunstaktionen für Freiheit und Demokratie, Gerechtigkeit und Diversität, Natur-, Kultur- und Klimaschutz u.v.a.m. engagiert und kritisch eingesetzt.
Das Outsider-Art-Museum der Kunst-Praxis wurde 2012 von der in der Ukraine geborenen Künstlerin, Psychologiestudentin und ehemaligen Frontfrau der "Piratenpartei" Marina Weisband
eingeweiht. Ihr Vortrag hatte den Titel: „Wie Kunst uns alle retten kann - über den kreativen Zugang zu Politik und Gesellschaft.“
Voller Schmerz und Entsetzen schauen wir jetzt auf das Kriegsgeschehen in der Ukraine, dabei stehen wir, Vorstand und Mitglieder des Kunst-Praxis Soest e.V., voll hinter dem Appell des Deutschen Kulturrates vom 02.03.2022:
>>Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, verfolgt mit großer Sorge den Krieg in der Ukraine. Es ist ein russischer Angriffskrieg. Der Deutsche Kulturrat steht klar und unmißverständlich an der Seite der Menschen, die in der Ukraine für Freiheit und Unabhängigkeit einstehen und kämpfen. Er steht zu den Menschen, die sich in Russland, oft unter Einsatz ihres Lebens und das ihrer Familien, für Frieden und Freiheit, für Demokratie und Menschenrechte, für Kunst- und Medienfreiheit. Er ist voller Respekt vor den Journalistinnen und Journalisten, die aus dem Krieg berichten und dafür Leib und Leben riskieren. Gerade jetzt sind unabhängige Informationen dringend erforderlich.
Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagt zu den aktuellen Entwicklungen: "Kunst ist auch politisch, aber ich bin fest davon überzeugt, dass nicht von jedem Künstler oder jeder Künstlerin ein politisches Statement verlangt werden darf. Insbesondere nicht von Künstlerinnen und Künstlern, die dafür ihr Leben und das ihrer Familien riskieren müssen. Wer sich allerdings als Künstler oder Künstlerin Autokraten andient und sie unterstützt, muss mit Konsequenzen rechnen, dies sollte generell und nicht nur im Krieg gelten. Eine Form von Gesinnungsprüfung ist allerdings mit der Kunstfreiheit nicht vereinbar. Es darf keinen Bekenntniszwang geben, das widerspricht unseren demokratischen Grundwerten.
Wichtig ist, den verzweifelten Menschen in der Ukraine zu helfen.
Wichtig ist, dass wir allen Geflüchteten dieses Krieges Asyl in unserem Land gewähren.
Wichtig ist aber auch, die positiven zivilgesellschaftlichen Kräfte in Rußland zu stärken.
Wichtig ist, dass der Dialogfaden nicht gänzlich abreißt.
Kunst und Kultur können Türen offenhalten, wenn selbst die Türen der Diplomatie zugefallen sind."<<
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„Kultur ist Soest sehr lieb und ziemlich teuer“
Leserbrief zum:
Artikel im Soester Anzeiger vom 29.11.202
„Kultur ist Soest sehr lieb und ziemlich teuer“ [267 KB]
„Wie viel ist uns Kultur wert?“ fragt Anzeiger Redakteur Kienbaum eingangs im o.g. Artikel und behauptet dann, “Bürger und von ihnen gewählte politische Stellvertreter“ würden „spätestens in Zeiten, wo das Geld knapp ist (-) gerne die Frage stellen: Muss das wirklich sein? Auch wenn das Kunst ist, kann das nicht weg?“
Formulierungen wie dieser letzte Satz können bei kulturnahen Menschen Schnappatmung auslösen, doch möchte ich nicht näher darauf eingehen. Wichtiger erscheint es mir zu fragen, ob die Kunst- und Kulturförderung in Soest tatsächlich so überaus großzügig ist, wie der Artikel vorgibt.
Herr Kienbaum nennt Subventionen, die wie jedes Jahr an die städtischen Museen, die Stadtbücherei und an Institutionen wie Musikschule und Alter Schlachthof fließen. Wie hoch oder bescheiden ist der Prozentsatz, der als Kulturetat (2,5 Millionen Euro) vom Gesamthaushalt abgezweigt werden soll? Herr Wapelhorst, Kämmerer und Kulturbeauftragter der Stadt „in Personalunion“ könnte darauf eine Antwort geben.
Nun sind Unterstützungen aus Steuermitteln für prestigeträchtige und den Tourismus bedeutsame Kultureinrichtungen eine Sache, wie aber steht es um die Förderung der freien Szene in Soest?
Als eine der ersten Städte landesweit hat der Soester Stadtrat im Jahr 1996 entschieden, die sogenannten freiwilligen Leistungen für die Kultur auf 15 Tausend Euro jährlich einzudampfen. Um diese Mittel dürfen sich Soester Kunst- und Kulturschaffende seitdem bewerben, sie werden projektbezogen - auch an bereits subventionierte Einrichtungen - vergeben.
Kulturförderung heißt u.a. aber auch: Gibt es in Soest bezahlbare Atelier-, Übungs- und Wohnräume, ausreichend Ausstellungs- und Auftrittsmöglichkeiten, „Brotjobs“ für Künstlerinnen und Künstler? Die allermeisten lebten und arbeiteten schon vor der Coronakrise in prekären Verhältnissen. Wie viele werden noch aufgeben? Denn die staatlichen Hilfspakete greifen bei Soloselbstständigen und der freien Szene oft nicht. Wie steht es um die Kulturberichterstattung in Soest? Wie ist es um die personelle Besetzung, Unabhängigkeit und fachliche Kompetenz hiesiger Kunst- und Kultur-Stiftungen, -Stipendien und -Preise bestellt? Werden Diskussionen geführt über die Rolle von Kunst und Kultur in einer sich wandelnden Gesellschaft vor den Herausforderungen von Pandemie und Klimawandel?
Bei wem das letzte Statement der scheidenden Kanzlerin dazu noch nachhallt, der weiß, wie existentiell wichtig diese Debatten sind und sein werden. Ich hoffe, dass die neue Kulturstaatsministerin Claudia Roth, die u.a. „Strukturen der freien Szene“ ausbauen will, beherzt für frischen Wind sorgt, der nicht an Soest vorbeizieht.
Susanne Lüftner-Haude, Bildende Künstlerin, Leiterin der Kunst-Praxis Soest und Leipzig
Widerstand gegen Soest-Art-Konzept
Zum unten veröffentlichten Leserbrief erschien am 15.11.2021 ein Artikel im Soester Anzeiger:
Widerstand gegen Soest-Art-Konzept [265 KB]
Soest-Art auf drei Tage reduziert
Leserbrief zum
Artikel im Soester Anzeiger vom 30.10.2021 [243 KB]
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Soest-Art auf drei Tage reduziert:
SoestArt, das Festival für die freie Kulturszene, wurde 2014, 2016 und 2018 von der Wirtschaftsförderung der Stadt in Zusammenarbeit mit etlichen Kulturvereinen vorbereitet und durchgeführt. Durch den Wechsel zum KulturBüro, das dem Schlachthof-Trägerverein angeschlossen ist, soll sowohl die Unabhängigkeit gewährleistet sein, als auch das „Format der Kulturmarke SoestArt“ neu ausgerichtet werden.
Die Marketingsprache der Ausschreibung legt nahe, dass wirtschaftlicher Nutzen und nicht die Förderung und Würdigung der freien Kulturszene im Vordergrund steht. Auch die komprimierte Verdichtung der Festivalreihe von sechs Wochen auf drei Tage am Wochenende verspricht keinen tiefen, nachhallenden Kulturgenuss, sondern „ein Format, mit dem möglichst viele Menschen etwas anfangen können“. Eine wahre „KulturExplosion soll Menschen auch von außerhalb nach Soest locken“. (s. Soester Anzeiger und Homepage SoestArt)
Die neue Ausrichtung von SoestArt wurde während des Corona-Lockdowns vom KulturBüro ohne uns, die Kultur-Akteurinnen und Akteure, entwickelt. Sie wurde uns erstmals Anfang Oktober vorgestellt. Es gab Zustimmung wie z.B.: „Ist doch schön, dass was für uns gemacht wird“, aber auch Kritik. Ich war dabei und nenne die wichtigsten Einwände, die im o. gen. Artikel fehlen:
Die Präsentation und recht barsche Verteidigung der fertigen Pläne und Vorgaben durch Thomas Wachtendorf wurden von etlichen Kulturschaffenden als fehlende Wertschätzung der bisherigen Kooperation, als Gängelung und/oder Vereinnahmung empfunden. Die Namensschöpfung SO ARTig!? für die Veranstaltungsreihe 2022 miesfiel als „geckig“ oder Verharmlosung: „Ich bin nicht artig,“ meinte eine Künstlerin.
Auch die Finanzierung des Festivals fand Kritik - sie sei einseitig und problematisch für die Kulturschaffenden: Der Schlachthof-Trägerverein, das angeschlossene KulturBüro und das Marketing für SO ARTig!? würden jährlich mit einem erheblichen Finanzierungszuschuss seitens der Stadt gefördert. Das KulturBüro böte Künstlerinnen und Künstler zwar Hilfe bei der Beantragung von Fördermitteln - ohne Erfolgsgarantie - an, allerdings sei die Frist dafür bereits Ende Oktober ausgelaufen. Die meisten Akteure würden sich selbst und voraussichtlich vergeblich um die Finanzierung ihrer Arbeit kümmern müssen.
Die Finanzierungsspritze für KulturBüro und Trägerverein lässt auch den Schluss zu, dass diese nicht in jedem Falle unabhängig agieren können. Sie müssen dem Bürgermeister und dem Kulturausschuss Rapport geben und jährlich deren Zustimmung für die Finanzierung erhalten. Unwahrscheinlich ist, dass das ohne Reibereien abgeht, wenn Künstlerinnen und Künstler im Rahmen von SoestArt mit einer kritischen Arbeit überregional Aufsehen erregen. Zuletzt ist dies 2018 geschehen, als Kunst-Praxis, Malschule, der Kreis engagierter Bürger und die WallLinden-Initiative den Umgang mit dem historischen Soester Stadtwall in einer gemeinsamen Performance kritisierten und darüber eine Dokumentation mit dem Logo von SoestArt herausgaben.
Diesen Kritikpunkt stellte ich kürzlich beim ersten „Kulturstammtisch“ vor, an dem auch Mitglieder des Kulturausschusses und wenige Kunstschaffende teilnahmen: Wenn ich als Künstlerin an SO ARTig!? 2022 teilnehmen möchte, muss ich einen Vertrag unterschreiben mit folgendem Passus: „Politische Beiträge sind nicht erlaubt“. (s. Homepage SoestArt „Markennutzung“)
Ich fragte: „Wer hatte ein Interesse daran, diesen Satz dort unterzubringen und was genau ist damit gemeint?“ Frau Frede vom KulturBüro erklärte, der Satz sei bewusst so allgemein gehalten. Die anschließende Diskussion ergab, dass eine solche „Zensur“ nicht statthaft sei. Die Kunst hierzulande ist frei.
Einige Tage später wurde der Passus auf der Homepage des KulturBüros wie folgt abgeändert: „Rassistische, nationalistische, sexistische oder andere dem Geist des Humanismus widersprechende Veranstaltungen oder Verhaltensweisen werden nicht geduldet und entsprechend geahndet.“
Was genau ist - mit dem zweiten Teil des Satzes - gemeint? Vielleicht wurde er bereits wieder abgeändert?
Susanne Lüftner-Haude
Bildende Künstlerin, BBK Ruhrgebiet und Leipzig, GEDOK Leipzig
Leiterin der Kunst-Praxis Soest und Leipzig
Kontakt: 0160 930 708 20
Hierzu erschien am 15.11.2021 ein Artikel im Soester Anzeiger:
Widerstand gegen Soest-Art-Konzept [265 KB]
Kulturpolitik
Die Leistungen von Bildenden Künstler:innen müssen fair vergütet werden
Eine Vergütung für die öffentliche Präsentation bildkünstlerischer Werke muss selbstverständlich sein. Diese Forderung besteht bereits seit den 70er Jahren. Die Ausstellungsvergütung ist eine zeitgemäße, notwendige und grundlegende Antwort auf die prekäre wirtschaftliche Lage von Bildenden Künstler:innen. Sie sollte eine wesentliche Erwerbsquelle für Bildende Künstler:innen sein. Es ist es an der Zeit, diese Gerechtigkeitslücke zu schließen. Zur Aktion ...
KAUFLAND
Werke von Susanne Lüftner und Werke aus der „Sammlung Susanne Lüftner - Outsider Art und Art Brut“
Textile Objekte, die Bodeninstallation "Kaufland" sowie Arbeiten in teils gegenständlicher Malerei thematisieren mit feiner Ironie gesellschaftlichen Anpassungsdruck, Verführung zum Konsum, Verunsicherung und Identitätssuche des Menschen im digitalen Zeitalter.
Desweiteren werden einige Werke aus der „Sammlung Susanne Lüftner - Outsider Art und Art Brut“ vorgestellt und Interessierte bekommen Informationen zur KUNST-PRAXIS in Soest.
AUSSTELLUNG
Tapetenwerk
Lützner Str. 91
D-04177 Leipzig
Haus F, Erdgeschoss links
KUNST-PRAXIS – Atelier Susanne Lüftner
Eröffnung
Fr, 17. Sep 2021 18:00 Uhr
Ausstellung
Sa, 18. bis So, 19. Sep 2021
Graphic Novel von Amelie Luna
Corona-Zeiten sind auch für die Kunst-Praxis eine ernste Herausforderung.
Wir haben die öffentliche Kultur-Pause dennoch genutzt und bringen nun das Erstlingswert der 17-jährigen "Amelie Luna" (Künstlerinnen-Name), heraus, die schon seit einigen Jahren das "Laboratorium" der Kunst-Praxis besucht.
Es ist eine Graphic Novel mit phantastischen Zeichnungen und einer berührenden, Mut machenden Geschichte - nicht nur für junge Leute. Ihr Titel ist: "The Ending You Deserve". Der Text wurde von in (gut verständlicher) englischer Sprache verfasst, weil ihre Botschaft überall in der Welt von Bedeutung ist und ist zum Preis von 12 Euro in Soest in der Ritterschen Kunst- und Buchhandlung erhältlich.
Interessenten können sich auch direkt an die Kunst-Praxis oder über Instagram an AMELIELUNAA und TUMBLR: AMELIELUNAA an die Künstlerin wenden
Leseprobe
THE ENDING YOU DESERVE [16.092 KB]
PDF-Leseprobe von Amelies Graphic Novel zum Download
Urheber: LUNA, AMELIE
ISBN-13: 978-3-00-065763-4
Verlag:
Kunst-Praxis Soest e.V.
Paradieser Weg 15
59494 Soest, Westf
Tel: +49 (0160) 93070820
E-Mail: kunstpraxis.soest@t-online.de
MVB-Kennnummer 5221904
Erscheinungstermin: 15.06.2020
Auflage: 200
Anzahl Seiten: ca. 40
Preis: 12,00 EUR (DE)
#kulturgibt - Wir machen mit!
#kulturgibt - Kunstaktion der KUNST-PRAXIS zum bundesweiten Aktionstag am 19.11.2022
Wozu Kunst?
Samstag, 19.11.2022, 12 bis 15 Uhr
Auf der Wiese vorm Rednerpult "Speak Free"
im Soester Rosengarten
Nach dem Auftakt mit einer künstlerischen Intervention oder einer kurzen Rede von Susanne Lüftner auf dem ehemaligen Schussfeld vor der Wallanlage können weitere Akteur:innen, auch zufällig vorbeiflanierende, laut oder leise formulieren: aufschreiben, zeichnen, malen, singen, tanzen, rappen und/oder auf dem Rednerpodest vor-tragen, was ihnen Kultur und Kunst bedeuten: "Wozu Kunst?"
Wer mitmacht bekommt ein signiertes Kunstposter von Susanne Lüftners Kunstaktion "Speak Free" vom 19.06.2022 im Soester Rosengarten.
Ansonsten gibt es Poster, Postkarten, Flyer und Kataloge vergangener Kunst-Aktionen der Soester KUNST-PRAXIS, die inzwischen Erinnerungs- und Liebhaberwert besitzen.
Spenden sind willkommen.