Führungen durch die Ausstellung "Art in Paradise" im Haus der Kunst-Praxis nach telefonischer Absprache.

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XKunstaktion: Ende eines Sommers

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

 25. August 2018, 18.00 bis 22.30 Uhr

Brunowall in Soest

im Rahmen von SOESTART in der Reihe „Lange Nacht der Kunst“

 

PROGRAMM

 

18.00 Uhr Begrüßung durch Susanne Lüftner

Brunowall, Aufgang Ulrichertor

 

*Installationen

 

Susanne Lüftner „Planwerk X  Kunstwerk“

Bärbel Dreher „Ad Liberandum“

 

Brunowall, Aufgang Ulricher- und Grandwegertor sowie auf der Wallkrone

 

* Performance – „Bäume und Menschen“

 

Hartmut Lux trägt, den Brunowall passierend, 18-mal den Text von Joseph Beuys „Bäume und Menschen“vor: laut und leise, wie das Rauschen des Laubes im Wind und unabhängig auch vom Kommen und Gehen der Menschen an diesem Abend.

 

Beginn 18.15 Uhr, Brunowall, Aufgang Ulrichertor

 

*Laboratorium - Offenes Atelier

 

Kunst-Praxis und Soester Malschule

mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Besucher*innen 

 

18.00 bis 20.00 Uhr, Brunowallkrone, Mitte

 

*EMotion - Berührung und Bewegung

 

Heidrun Grote-Huck möchte für die Wall-Linden drei Qi-Gong-Übungen geben und zeigen.

 

20.00 bis 20.15 Uhr, Brunowallkrone, Mitte

 

*Musik und Gesang – „Wohl unter Linden“

 

Theo Steins (Keyboard)

Edda Pick(Gitarre und Gesang)

VignesanShan (Trommel)

Sie spielen u.a. das Soest-Lied: „Komm her Du schöne alte Stadt“

 

20.15 bis 20.45 Uhr

 

Angela Troike (Klarinette und Sopransaxophon)

Gero Troike (Banjo)

Das Duo ist bekannt für mitreißende Jazz-Improvisationen

 

20.45 bis 21.15 Uhr

Brunowallkrone, Turmruine

 

* Lyrik und Lichter – „Ende eines Sommers“

 

Heidrun Huck, Susanne Lüftner und Erika Wilhelm tragen, den Brunowall passierend, 18 ausgewählte Denkmal- und Baumgedichte zu den Linden und zum Wall vor.

 

21.30 bis 22.30 Uhr

Beginn am Brunowall, Aufgang Ulrichertor

 

DER STADTPOLITISCHE HINTERGRUND 

 

Trotz zahlreicher Proteste der Soester Bevölkerung mit 5600 Unterschriften für den Erhalt der Linden auf dem historischen Soester Stadtwall, hat die Mehrheit des Rates der Stadt Soest beschlossen, noch in diesem Jahr auf dem Brunowall 18 gesunde Linden zu fällen und zwar je sieben an den beiden Aufgängen und vier auf der Wallkrone. Darunter befinden sich viele alte Linden, die erheblich zum Klimaschutz in der Altstadt beitragen. Außerdem soll der Wallkronenweg ausgebaut werden. Dadurch wird das Feinwurzelwerk aller Linden auf dem Brunowall beeinträchtigt. Die unter Naturschutz stehende Lindenallee und die einzigartige Flora und Fauna werden so weitgehend zerstört. Der unter Denkmalschutz stehende Brunowall verliert damit sein Gesicht. 

Bereits im August letzten Jahres befreite die Kreisnaturschutzbehörde die 18 betroffenen Bäume auf Antrag der Stadt Soest vom Naturschutz, so dass sie seitdem gefällt werden dürfen. Die „Wall-Linden-Initiative“ wandte sich daher mit einer Petition an den Landtag in NRW, mit dem Ziel, die Linden wieder unter Naturschutz zu stellen. Eine Entscheidung steht noch aus.

www.soestfuer35.wordpress.com

 

X DIE KUNSTAKTION

 

Die Kunst-Praxis hat den historischen Soester Wall mit seiner Lindenallee als gefährdetes Refugium, Natur- und Kulturdenkmal ausgewählt, um mit künstlerischen Interventionen Zeichen für einen sensibleren Umgang mit der Natur und gegen mögliche Zerstörungen zu setzen.

 

Wir verstehen unsere Aktion als „soziale Plastik“ im Beuys´schen Sinne: als erweitertes  Kunstkonzept, welches menschliches Handeln einbezieht, das darauf ausgerichtet ist, das Leben insbesondere in Politik und Wirtschaft human und kreativ zu gestalten.

 

Wir unterstützen das künstlerische, soziale und politische Engagement von besorgten, sachkundigen Bürger*innen. Dabei hoffen wir auch überregional, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die drohende, unumkehrbare Beschädigung eines komplexen, klimarelevanten innerstädtischen Lebensraumes lenken zu können.

 

DAS GEDICHT

 

Ende eines Sommers

 

Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!

Wie gut, dass sie am Sterben teilhaben!

Die Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,

während unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.

Dem Vogelzug vertraue ich meine Verzweiflung an. 

Er mißt seinen Teil von Ewigkeit gelassen ab. 

Seine Strecken

werden sichtbar im Blattwerk als dunkler Zwang, 

die Bewegung der Flügel färbt die Früchte.

Es heißt Geduld haben.

Bald wird die Vogelschrift entsiegelt,

unter der Zunge ist der Pfennig zu schmecken.

Günter Eich

 

KOMMENTARE DER MITWIRKENDEN

 

Theo Steins:

Es darf kein einziger Stein aus dem Wall entfernt und auf die Schutthalde der Geschichte geworfen werden. Genauso wie auch kein Baum gefällt werden darf, um eine leicht begehbare Prachtstraße aus dem Wall zu machen. Und niemand darf ernsthaft fordern, dass die Wege in den Gräften zu breiten Rennstrecken für Radfahrer ausgebaut werden.

 

Hartmut Lux:

„Baumentnahme – Baumentrechtung.“18 Linden sollen auf dem Brunowall „entnommen“ (gefällt) werden. An diesem Abend wird auf den Aufgängen und der Wallkrone 18-mal ein Text von Joseph Beuys vortragen, der vom Leidender Bäume, von ihrem Bewusstsein und von der entrechteten Natur handelt; Beuys sieht es alsAufgabe des Menschen an, sie rechtsfähig zu machen.

 

Hartmut Lux veröffentlichte Fotografien, Tagebuchgedanken und Gedichte über Bäume, auch über die Linden auf den Soester Wällen.

 

Bärbel Dreher:

Ich möchte einen Text von Kurt Tucholski angeben: „Nun ist ein alter Baum ein Stücken Leben. Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos heraufgeschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem Geklapper am Ort bleibt.

 

 

Kooperation: SOESTART und Soester Malschule